ELEN

„Meine Musik ist handgemacht. So wie früher – nur mit dem großartigen Sound von heute.” Das sagt Elen, die talentierte junge deutsche Sängerin aus Berlin, die sich ihr internationales Debüt per Crowdfunding finanzierte und deren Erfahrungen als Straßenmusikerin ihr Verständnis von Musik und gutem Sound formten.

Handgemachter Sound von heute

Die Aufnahmen ihres Debütalbums wurden stark durch diese „Live”-Herangehensweise beeinflusst: „Während der Aufnahmen im Studio mussten meine Band und ich alles gleichzeitig einspielen, live sozusagen. Und das war eine gute Entscheidung! Zudem gingen wir ohne jede Vorbereitung oder Proben ins Studio. Das ganze Album entstand aus dem jeweiligen Moment. Wir respektierten uns alle gegenseitig und achteten aufeinander – und diese authentische Atmosphäre ist spürbar, wenn du das Album hörst,” erklärt Elen.

Zunächst erwartete sie, dass die Band ins Studio geht, die Musiker sich kennen- und untereinander verstehen lernen, jeder weiß, wie der andere musikalisch tickt und dann die Arbeit beginnt. Aber das war nicht nötig: „Stattdessen bestimmte ich eine ungefähre Richtung, in die wir alle gemeinsam gingen. Wahrscheinlich war es genau richtig, vorher nicht zusammengearbeitet zu haben. Denn so konnte jeder von uns diese Sensibilität gegenüber den anderen Musikern und dem jeweiligen Song entwickeln. Das war eine großartige Erfahrung! Meine absoluten Lieblingssongs auf dem Album sind ‚Nobody Else’ und ‚Compassion’”, erzählt uns Elen.

Die nachfolgend anklickbare Single „Nobody Else” schrieb Elen nicht selbst, sondern Kat Frankie. Aber Elen fand den Song so unglaublich kraftvoll, dass sie ihn ohne Umschweife als erste Single auswählte. Sie ist davon überzeugt, dass dieser Song das Album sehr gut repräsentiert und freut sich über die Reaktionen der Leute, die Elen bislang vor allem als Cover-Sängerin bekannter Songs unserer gemeinsamen Helden kannten.

Unabhängigkeit dank Crowdfunding
Das Album wurde per Crowdfunding finanziert, was bedeutet, dass jedermann die Künstlerin mit einem kleinen oder größeren Betrag finanziell unterstützen konnte. Was veranlasste Elen zu dieser Vorgehensweise? „Ich entschied mich für Crowdfunding, weil ich das Album möglichst unabhängig produzieren wollte. Eine Musikproduktion wie diese kostet einen Haufen Geld. Ich fragte mich, wie sich ein solches Projekt finanzieren lässt und ich trotzdem unabhängig arbeiten kann. Diese Art der Finanzierung wurde in den letzten Jahren immer populärer. Und das freut mich ungemein! Denn du musst nicht da tun, was andere wollen, sondern kannst dich voll und ganz auf deine Musik konzentrieren.

Es war ein hartes Stück Arbeit, mein Verlobter und ich druckten Flyer und ich machte jeden Tag meine Straßenmusik und war zu Gast bei Radiostationen, um für mein Crowdfunding-Projekt die Trommel zu rühren. Zudem war es ein guter Test, um zu sehen, ob sich die Arbeit gelohnt hat. Und siehe da: Alles klappte wie am Schnürchen. Mein Debütalbum ist fertig.”

Elens Erfahrungen mit der Straßenmusik beeinflussen sie auch heute noch: „Ich glaube, Straßenmusik ist eine eigene Kunstform. Natürlich höre ich auch ab und zu elektronische Musik. Aber ich glaube, wir Straßenmusiker fühlen uns besonders zur handgemachten Musik und den damit verbundenen Eigenschaften verbunden. Und ich denke, dass mich meine Vorliebe für diese Art von Musik dazu brachte, Straßenmusikerin zu werden. Denn die Musik beeinflusste mich – und nicht anders herum”, sagt Elen.

Nicht deutsch, amerikanisch!
Ihre Musik klingt nicht sonderlich deutsch, sondern eher durch Amerika inspiriert: „Es war schon immer der amerikanische Sound, der mir in den Ohren kitzelte. Diese Musik klingt nicht so klar und hat eine eigenartige Tiefe, wohingegen deutscher Sound sehr differenziert klingt mit seinen kräftigen Höhen. Du hörst alle Instrumente gut heraus, und genau das mag ich nicht.” Stattdessen mag Elen Künstler wie Feist, Bon Iver, The Doors, Daughter, Florence + the Machine – und nicht zuletzt die früheren Coldplay-Alben. Es gibt noch mehr Beispiele, aber dies sind die wichtigsten Einflüsse für ihr Musikverständnis.

Erstaunlicherweise hat sie offensichtlich keine speziellen Lieblingssongs, die sie gern selbst geschrieben hätte: „Eigentlich keinen. Was andere Leute machten oder machen, höre ich lieber so, wie es ist. Deine eigene Musik kann man hingegen immer noch irgendwie verbessern. Du hörst dich selbst singen und fragst dich, warum du nicht besser gesungen hast. Deshalb kann ich nicht sagen, was meine Lieblingssongs sind – ich würde mich immer fragen, ob es okay ist oder ob ich etwas hätte besser machen können. So lehne ich mich lieber zurück und genieße die Musik anderer Künstler”, sagt Elen.

Guter Sound ist extrem wichtig
Während der Produktion des Albums legten ELEN und ihr Team großen Wert auf den Sound. Schließlich ließen sie die Songs von mehreren Studios abmischen, bis sie den perfekten Sound gefunden hatten.

„Und weil der Sound so wichtig ist, höre ich Musik meistens von der Vinylplatte über eine hochwertige HiFi-Anlage. Es kommt darauf an, gute Lautsprecher zu verwenden und diese richtig im Raum aufzustellen. Selbst der beste Verstärker nützt nichts, wenn die Lautsprecher nicht gut klingen. Und natürlich klingt jede Anlage anders – daher nahmen wir uns Zeit und hörten viele HiFi-Systeme zur Probe. Bis wir unser Baby gefunden hatten”, sagt Elen.

Sein eigener Chef sein
„Ich glaube, dass sich die heutige Musikszene positiv entwickeln wird. Es gibt sehr große Bandbreite unterschiedlicher Stile und viele Möglichkeiten. Das Interesse ist groß und viele Musiker machen ihre Musik unabhängig. In der heutigen digitalen Welt kann jeder seine Musik veröffentlichen und der ganzen Welt zeigen. Du kannst dein eigener Chef sein!”

Elen hat ihr Debütalbum fertiggestellt und plant nichts Bestimmtes für die Zukunft: „Die Veröffentlichung des Albums bedeutete eine Menge Arbeit für mich. Daher kann es sein, dass ich mir erstmal eine Auszeit nehme. Ich brauche einfach Abwechslung nach einer so langen Zeit mit diesem einen Projekt. Aber es wird ein weiteres Album geben – und Konzerte”, sagt sie.

Es macht absolut Sinn, wenn eine junge talentierte Künstlerin wie Elen so etwas verspricht. Während wir uns unterhalten, sitzt sie auf dem Beifahrersitz eines Autos, das ihr Verlobter Andreas Richtung Schönhauser Allee in Berlin fährt, um etwas Straßenmusik zu spielen. Elens Kommentar: „Warum wird man denn schließlich Musiker? Um Musik zu machen!”

Elens Debütalbum erschien am 6. Februar 2015. Mehr Informationen unter www.elenofficial.com

- Rune H. Jensen, rhj@dali.dk

 

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