TRIO CHAUSSON

Boris de Larochelambert ist der Pianist des Trio Chausson aus Frankreich. Seine Mitmusiker Philippe Talec (Violine) und Antoine Landowsi (Cello) lernte er im Pariser Konservatorium kennen. 2001 gründeten sie das Trio Chausson und seitdem machen sie zusammen Musik.

MUSIK GENIESSEN WIE EIN EXQUISITES MENÜ!

- Duisburg im Herbst 2013. In den frühen Morgenstunden verlässt ein Zug Richtung Frankreich den Bahnhof. Während die Sonne über den Wiesen und Wäldern Deutschlands aufgeht, genießt Boris de Larochelambert die entspannte und friedvolle Zeit nach einem kraftzehrenden Konzert mit Interpretationen der Musik von Dieterich Buxtehude bis Franz Liszt. Dabei nimmt er sich die Zeit, seine Ansichten zu klassischer und populärer Musik, Akustik und gutem Klang mit uns zu teilen.

- Ich hatte schon immer eine Leidenschaft für hochwertige und natürliche Tonaufnahmen, weil sie die Qualität der Instrumente aufzeigen. Ich genieße meine Lieblings-CDs – alte wie neue – genauso wie ein exquisites Menü, sagt Boris de Larochelambert.

- Das Gleiche gilt natürlich auch für Lautsprecher und Kopfhörer. Ich lege großen Wert darauf, dass kein bestimmter Frequenzbereich betont wird und dass Musik so ausdrucksstark und detailreich wie möglich klingt, fährt er fort.

Je bekannter ein Komponist, desto schwerer ist er zu spielen
In einem Interview mit dem Zagreb Guitar Quintett hörten wir kürzlich, dass Bach der am schwierigsten zu interpretierende Komponist sei. Ganz ähnlich äußert sich Boris de Larochelambert. Er bezieht sich jedoch nicht direkt auf Bach, sondern antwortet etwas allgemeiner:

- Die größten Komponisten sind immer besonders schwierig zu spielen, weil ihre Sprache es erfordert, dass man einiges über ihre persönlichen Hintergründe, ihre kulturellen Einflüsse und darüber, wie sie all dies in eine perfekt ausgefeilte und sehr persönliche Arbeit einbringen, wissen muss. Ich denke dabei natürlich vor allem an Beethoven und Brahms, sagt Boris de Larochelambert.

Es sei eine schwierige Entscheidung für ihn, weil "wir fast jede Art von Musik lieben". Aber wenn er sich einige Lieblingskomponisten aussuchen sollte, wären dies Berühmtheiten wie Haydn, Beethoven, Brahm, Chausson und – natürlich – Ravel. Sie alle verbinden in ihren Werken sehr aufwändige Strukturen mit einem Höchstmaß an Inspiration.

Du brauchst alles an Adrenalin, was du mobilisieren kannst!
- Zeitgenössische Komponisten sind auch in gewisser Weise eine Herausforderung. Dusapin zum Beispiel schrieb ein unglaublich komplexes und schnell zu spielendes Trio, dessen Aufführung auch ein echtes Vergnügen ist, weil man vom Anfang bis zum Schluss alles Adrenalin braucht, was man mobilisieren kann! 

Einige andere Trios, zum Beispiel von Chausson, sind so reich an Emotionen, dass es besser ist, sie nicht so oft zu spielen – wenn, dann nur um wieder Gefühle aufzutanken, fährt er fort.

Boris de Larochelambert betont, dass die Reisen und die unterwegs kennengelernten Musiker ihn und seine Kollegen sehr inspirierten – speziell alles, was sie in Deutschland und Österreich erlebten und lernten, woher ja ein Großteil ihres Repertoires stammt.

Beethoven und Bartok sind modern
Das Trio Chausson versuchte sich auch in der Interpretation moderner, rhythmischer Musik. In ihren Konzerten spielten sie sowohl eine Mischung von Jazz und Pop als auch klassische Trio-Musik. Was immer eine lustige Erfahrung für das Trio bedeutete, weil alle drei auch gern für sich Rock oder (“sehr bescheiden”, wie sie meinen) Jazz spielen.

Boris de Larochelambert stellt fest, dass Improvisation manchmal ein guter Weg ist, die Proben zu beginnen, weil dies die Musiker sofort miteinander verbindet. Genauso gern lassen sie sich von aktuellen Popkünstlern inspirieren:

- Eigentlich ist es sogar schwer, sich diesen Einflüssen zu entziehen, weil es ja auch zum Beispiel in Beethovens Musik einen Groove mit bestimmten Rhythmen gibt. Oder bei Bartok noch mehr. Es ist wichtig, in unserer Arbeit diese rhythmischen Aspekte zu spüren – als einen Vorläufer von dem, was noch kommen wird.

Eigentlich hatte rhythmische Energie eine andere Bedeutung und andere Parameter können wichtiger werden – zum Beispiel Harmonie und dramaturgische Anspannung.

Schuhkartons und Kirchen
Wie schon erwähnt, legt Boris de Larochelambert großen Wert auf gute Tonaufnahmen. Besonders fasziniert ihn, dass sich elektrische Energie in wohlklingende Töne und eine originalgetreue, alle musikalischen Details umfassende Akustik umwandeln lässt. Dementsprechend kann eine schlechte Aufnahme die Interpretation verfälschen oder beeinträchtigen.

Und natürlich ist die Akustik grundsätzlich überaus wichtig für das Klassik-Trio – nicht nur bei Aufnahmen, sondern auch live:

- Dies ist für uns eine Frage der Balance. Ein leichter Nachhall klingt sehr angenehm, so dass wir mit Holz ausgekleidete Konzerthallen wie die Kuhmo Concert Hall in Finnland oder wie Schuhkartons aussehende Hallen wie den Brahms-Saal des Wiener Musikvereins sehr schätzen. Hier gibt es keine störenden Echos und die Akustik ist nicht zu trocken, erklärt Boris de Larochelambert.

- Solche Säle ermöglichen es uns, ohne großen Aufwand – fast wie zu Hause – loszuspielen. In Kirchen mit einem viel zu langen Nachhall (manchmal 6-7 Sekunden!) zu spielen ist sehr schwer, weil sie uns zwingen, die Tempi oder die Artikulation zu ändern. Dazu lassen sie wenig Raum für größere Dynamikwechsel. Aber Auftritte in Kirchen sind eh recht selten und meistens gefallen sie uns dann doch sehr gut.

Klassische Musik 2013
Die Bedingungen für ein Klassik-Ensemble in der Musikindustrie sind im Jahr 2013 nicht einfach:

- Besser sieht es aus, wenn du ein Piano-Trio, ein Quartett oder ein Solo-Pianist bist. Wir schätzen uns glücklich, heute ein Repertoire von etwa 80 eigenen Stücken zu haben, das in irgendeiner Weise unsere Persönlichkeiten widerspiegelt (insbesondere unsere Transkriptionen) und das wir jederzeit spielen und aufnehmen können, erzählt der Pianist.

Haydn-Aufnahmen stehen an
Das Trio Chausson ist gut gebucht. Seit dem letzten Musikfestival „Folle Journée“ in Nantes und der Uraufführung eines Trio-Konzerts von Chausson – einer wunderschönen, eigens vom Komponisten Mathieu Lamboley verfassten Transkription – spielte das Ensemble zahlreiche Trio-Konzerte – zum Beispiel viermal Beethoven in Deutschland im Juni und viermal Chausson in Paris, Clermont, Rouen etc.

- Die sich uns bietenden Perspektiven sind sehr interessant. Die lange Zusammenarbeit mit einem wunderbaren Dirigenten wie Robert Fores ist fantastisch. Zudem bereiten wir gerade nach vielen von Konzerten und Experimenten geprägten Jahren Aufnahmen einiger Werke von Haydn vor.

Seine tiefe und professionelle Liebe zur Musik zeigt sich nochmals, als Boris de Larochelambert das Interview in der Deutschland Bahn mit dem Ausruf beendet:

- Die Verzierungen und Kadenzen sind unbeschreiblich frei und verlangen nach einer Improvisation!

Mehr Informationen über das Trio Chausson gibt es unter  www.triochausson.com.  - Rune H. Jensen, rhj@dali.dk

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